Interview mit Herrn Stefan Hipp

Die kompackt, das Kundenmagazin von Meypack, hat Herrn Stefan Hipp zu Trends und Entwicklungen in der Babynahrungsindustrie interviewt.
KOMPACKT – Sie waren eines der ersten Unternehmen, die sich auf Biokost für Babys konzentriert haben. Seitdem hat sich der „Bioboom“ weitestgehend bei Herstellern und Verbrauchern durchgesetzt. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für HiPP?
STEFAN HIPP – Der Ursprung für Biolandwirtschaft bei HiPP war eine enge Freundschaft zwischen dem Schweizer Dr. Müller, dem Begründer von biologisch organischem Landbau und meinem Großvater. Meine Großmutter war Schweizerin und über sie haben sich mein Großvater und Herr Dr. Müller kennengelernt. Mein Großvater fand starkes Interesse an dem Betrieb und war der Meinung, dass genau diese Art von Landbau der richtige Weg für die Landwirtschaft ist. Er hat nach dem Vorbild aus der Schweiz in den 50er-Jahren einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb in Pfaffenhofen auf biologische Landwirtschaft umgestellt. So fingen wir auch an, die ersten biologischen Rohstoffe zu verarbeiten. Dazu gehörte es auch, mit den Bauern zu sprechen, ihnen die Grundsätze biologischen Anbaus zu erläutern und sie zu überzeugen. Nach Gemüse wurde dann Anfang der 90er Jahre zuerst Fleisch und danach Früchte auf Bio umgestellt. Das Interessante war, dass es in den 70er- und 80er-Jahren niemanden wirklich interessiert hat, dass wir biologisch angebautes Gemüse verarbeitet haben. Es war primär unsere eigene Überzeugung. Erst Anfang der 90er-Jahre wurde Bio zum Trend und damit auch für die Konsumenten von wachsendem Interesse – wovon wir natürlich auch als Unternehmen profitiert haben. Man kann also schon sagen, dass wir in den Anfangsjahren Grundlagen- und Aufklärungsarbeit geleistet haben. Für HiPP war die Steigerung des Biobewusstseins und auch des Qualitätsbewusstseins bei den Konsumenten mit erheblichen Chancen verbunden, das Unternehmen vom Wettbewerb abzusetzen. Unsere Grundlagenarbeit über Jahre und Jahrzehnte hat uns geholfen, ein authentisches Markenversprechen zu positionieren. Übrigens: Die gleiche Art der Aufklärungsarbeit leisten wir nun auch in den osteuropäischen Märkten.
KOMPACKT – Welche Bedeutung im Sinne von Reputation im Markt hat das HiPP Biosiegel? Was steckt dahinter?
STEFAN HIPP – Das HiPP Biosiegel geht über das europäische Biosiegel hinaus. Denn das europäische Biosiegel sagt nur etwas über den Anbau der Produkte aus, nicht aber über die weitere Verarbeitung, den Transport etc. So ist ein zentraler Bestandteil des HiPP Biosiegels die Rückstandsfreiheit aller Rohstoffe – ein Kriterium, das nach dem europäischen Biosiegel nicht gefordert ist. Oder auch die Lage und Beschaffenheit der Anbauflächen ist bei uns deutlich strenger geregelt: Wir legen z.B. fest, welcher Mindestabstand eines Feldes zur nächsten Industrieanlage eingehalten werden muss. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass unser Biosiegel deutlich strenger ist und so unserem Anspruch und unserem Verständnis von biologischer Landwirtschaft mehr entspricht.
KOMPACKT – Wie gewährleistet HiPP die Schadstofffreiheit der Lebensmittel – ein heikles Thema insbesondere für Babynahrung?
STEFAN HIPP – HiPP verfügt über ein sehr sicheres und dichtes Qualitätsmanagementsystem sowie entsprechende Kontrollstrukturen vom Erzeuger bis hin zur Produktion, Verpackung und Auslieferung. Wir kennen unsere Partner – oftmals seit Jahrzehnten – und kontrollieren jeden Zwischenschritt. Bei der Anlieferung der Rohstoffe haben wir z.B. ganz klare Vorschriften, wie der Transporter gereinigt sein muss, was vorher transportiert werden darf und was nicht, da hier natürlich eine große Quelle für Verunreinigung besteht. Es werden grundsätzlich Proben genommen und auf über 1.300 Inhaltsstoffe untersucht. Erst nach Freigabe kann der Rohstoff bei uns eingelagert und weiterverarbeitet werden.
KOMPACKT – Machen Sie Qualitätskontrollen selber oder bedienen Sie sich dazu externer Fremdunternehmen?
STEFAN HIPP – Für die gesamte Qualitätskontrolle ist unsere Qualitätssicherheit in Pfaffenhofen zuständig. Zusätzlich lassen wir Untersuchungen auch in externen staatlich anerkannten Laboren durchführen. Die Qualitätskontrolle ist für uns von zentraler Bedeutung und direkt den Gesellschaftern des Unternehmens unterstellt. Wir stehen ja auch mit unserem Namen für die Einhaltung der Qualitätsstandards – was die hohe Bedeutung der Kontrollen recht verständlich macht. Es dürfen bei uns keinerlei Qualitätsabweichungen vorkommen – das wäre ein großer Schlag gegen unsere Authentizität. Qualität, Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind für uns die wohl wichtigsten Markenbestandteile.
So kennen wir beispielsweise jedes Feld, auf dem die Rohstoffe für unsere Produkte wachsen und auch das entsprechende Umfeld. Wir begleiten das Wachstum der Rohstoffe und führen regelmäßig unangekündigte Kontrollen durch. Die Ernte und auch die Lieferung werden kontrolliert, genauso wie der gesamte Produktionsprozess. Innerhalb des Gesamtprozesses haben wir über 260 Kontrollen eingebaut, die die hohe Qualität unserer Produkte garantieren.
Unser Labor in Pfaffenhofen zählt dabei zu den modernsten Laboren weltweit und wird ständig weiterentwickelt. Hier kommt uns zu Gute, dass wir eine sehr lange Erfahrung mit der Analyse von Rückständen in Rohstoffen haben.
KOMPACKT – Stichwort Fettleibigkeit: In allen westlich geprägten Industrienationen gibt es das Problem der Fettleibigkeit und der ungesunden Ernährung, insb. bei Kleinkindern. In welcher Verantwortung steckt hier die Nahrungsmittelindustrie?
STEFAN HIPP – Es ist ja so, dass es selten die Babys sind, die unter Fettleibigkeit leiden. Das fängt meistens etwas später an und betrifft die Kleinkinder. Der Grund ist natürlich meistens eine völlig falsche Ernährung. Es gibt zahlreiche offizielle Empfehlungen für eine optimale Ernährung, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. So lange sich die Mütter an diese Empfehlungen halten, ist das das Optimum. Wenn man jedoch den Kindern völlig freie Hand lässt, dann weiß jeder von uns, welche „Speisen“ bei den Kleinen ganz oben auf der Favoritenliste stehen: Naschzeugs, Fastfood und so weiter. Ein weiterer Grund ist die Unregelmäßigkeit des Essens. Es ist heute leider so, dass in den Familien individuell gegessen wird, wenn ein einzelnes Familienmitglied Hunger hat. Das gemeinsame Frühstück, das Mittagessen und das gemeinsame Abendessen in der Familie sind in vielen Familien nicht mehr Praxis.
KOMPACKT – Herr Hipp, wie halten Sie Ihre strengen Qualitätsstandards an so unterschiedlichen Standorten wie Deutschland, Österreich, Ungarn und Kaliningrad, dem alten Königsberg?
STEFAN HIPP – Grundsätzlich gilt: Wir haben an allen Standorten die gleichen Qualitätsstandards – hier gibt es keinerlei Unterschiede, weder bei der Verarbeitungstechnik, bei den Qualitätsparametern noch bei den Qualitätskontrollen.
KOMPACKT – Wenn sie überall Produktionsanlagen auf höchstem Niveau haben, wird das insbesondere im osteuropäischen Ausland nicht problematisch, weil Sie dort mit anderen Preisen arbeiten müssen?
STEFAN HIPP – Nein, in allen Ländern sind die Preise für die HiPP Produkte annähernd gleich da wir überall die gleichen Qualitäts- Standards haben. Bioprodukte haben einen höheren Preis, da gibt es keine Möglichkeit, diese Premiumprodukte günstiger zu verkaufen. Der Preis ist, so unsere Erfahrung, in Ländern wie Russland oder der Ukraine aber auch kein Problem. Sobald das Bewusstsein für Bioprodukte da ist, werden diese und das dahinter stehende Qualitätsversprechen auch honoriert und geschätzt.
KOMPACKT – Warum gerade Kaliningrad?
STEFAN HIPP – Kaliningrad ist ein perfektes Tor in den Osten, gut erreichbar aus dem Westen. Der Standort bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, landwirtschaftlich zu erzeugen, verfügt über eine gute Anbindung über Land oder auf dem Seeweg und verfügt über eine Administration, die sehr euphorisch und offen war gegenüber Investoren aus dem Westen und uns bei dem Prozess der Ansiedelung auch unterstützt hat. Für uns als Mittelständler war das eine optimale Kombination. Insbesondere die guten Möglichkeiten zur Anlieferung der Rohstoffe waren für uns von Bedeutung. Denn derzeit ist es noch so, dass wir ausschließlich Rohstoffe aus dem Westen in Kaliningrad verarbeiten.
KOMPACKT – Ihr Unternehmen ist ein weltweit agierender, erfolgreicher Familienbetrieb. Was sind die Stärken – gerade in turbulenten Zeiten – eines Familienbetriebes? Was ist der „Gen-Code“ dieses langjährigen Erfolges?
STEFAN HIPP – Zunächst einmal muss man sagen, dass HiPP ein europäisches Unternehmen ist. 95% unserer Märkte sind in Europa und nur 5% im Mittleren Osten und in Asien. Ich glaube, der Vorteil eines Familienbetriebes liegt in der Freiheit und der Schnelligkeit der Entscheidungen. Wenn wichtige Entscheidungen zu treffen sind, teilweise auch von größter Bedeutung oder großer budgetärer oder strategischer Tragweite, werden diese blitzschnell in der Familie getroffen. Das können wir machen, da wir z.B. keinen Investoren Rechenschaft schuldig sind. Auch können wir Entscheidungen treffen, die sich vielleicht erst nach Jahren auszahlen – eine Zeit, die den CEOs in großen Aktiengesellschaften de facto von Seiten der Aktionäre nicht gewährt wird.
Wir wollen auch in Zukunft ein Familienbetrieb bleiben – aus Tradition, aus Pflicht und aus der Freude, denn so ein Familienbetrieb macht einfach Spaß.
KOMPACKT – Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung für HiPP? Wie setzen Sie diesen Anspruch in der Praxis um?
STEFAN HIPP – Nachhaltigkeit als Oberbegriff ist für HiPP ein ganz entscheidendes Themenfeld. Allerdings eines, das wir schon alleine durch die Art unseres biologischen Landbaus mit vorantreiben – und das seit ganz, ganz langer Zeit. Denn wie kann ich mehr für die Natur machen, als dadurch, dass ich mit den Bauern zusammen z.B. auf Chemikalien verzichte und eine genaue Fruchtfolge einhalte. Am Standort hier in Pfaffenhofen haben wir CO2-neutrale Energieversorgung und beziehen unser gesamtes Wasser aus eigenen Brunnen. Wir verwerten 97% unserer Abfälle und haben durch starke Technologieverbesserungen den Wasserverbrauch um 70% gesenkt. Den Energieverbrauch haben wir sogar um rund 50% reduziert. HiPP unterstützt zudem diverse Engagements, wie z.B. Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt.
KOMPACKT – Wie wächst die Marke HiPP?
STEFAN HIPP – HiPP verfügt über einen Marktanteil in Deutschland von über 50% und verzeichnet ein leichtes Wachstum – bei einem rückläufigen Markt aufgrund der zurückgehenden Geburtenraten. Das größte Wachstum verzeichnen wir derzeit in Osteuropa.
Was das Wachstum in der praktischen Umsetzung angeht, ist es so, dass wir natürlich mit speziellen Mitarbeitern permanent auf der Suche nach neuen Anbauflächen bzw. Fleischlieferanten sind, die unseren Anforderungen entsprechen. Gerade bei den Fleischlieferanten arbeiten wir seit Jahren mit den gleichen Partnern zusammen und unterstützen sie dabei, ihren Betrieb weiterzuentwickeln. Auch bei Gemüse ist es so, dass wir eine Vielzahl an Partnern haben, mit denen wir teilweise seit über 50 Jahren zusammenarbeiten und wo es ein sehr enges Vertrauensverhältnis gibt, wenngleich jeder Partner regelmäßig kontrolliert wird. Bei der Suche nach neuen Flächen, z.B. in Ungarn oder Russland, schicken wir unsere eigenen Agraringenieure los, nach passenden Feldern und Bauern zu suchen, die entweder schon Biorohstoffe anbauen oder aber interessiert und motiviert sind, den Wechsel auf Bioanbau mit HiPP in enger Zusammenarbeit umzusetzen.
KOMPACKT – Herr Hipp, wir danken Ihnen für das Gespräch.






